Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm: In ihrem ersten „Global Report on antibiotic Resistance“ warnt diese vor einer ernsthaften, weltweit-ausgeprägten Bedrohung der öffentlichen Gesundheit durch Antibiotika-Resistenzen.

Das stetig zunehmende Auftreten Antibiotika-resistenter Keime (z. B. in Krankenhäusern oder in der Tiermast) und die damit einhergehende abnehmende Wirksamkeit von Arzneimitteln gegen Infektionserkrankungen sind bereits seit längerem Thema des öffentlichen Interesses. Doch so vehement wie der Ende April von der WHO herausgegebene Report warnte bisher keiner. Die folgenden Kernaussagen verdeutlichen umso mehr wie drastisch die Situation bereits jetzt ist:

  • In etlichen Ländern sind Carbapeneme gegen resistente Klebsiella pneumoniae bereits bei der Hälfte der Betroffenen unwirksam. K. pneumoniae zählt zu den Hauptverursachern von Pneumonien, Sepsis, Infektionen bei Neugeborenen und bei Patienten auf Intensivstationen.
  • In vielen Ländern sind Fluorochinolone bei mehr als der Hälfte der Patienten gegen Harnwegsinfektion-verursachenden E. coli nicht mehr wirksam.
  • In Österreich, Australien, Kanada, Frankreich, Japan, Norwegen, Slowenien, Südafrika, Schweden und UK versagen Cephalosporine der dritten Generation zur Behandlung der Gonorrhö. Täglich infizieren sich mehr als eine Million Menschen weltweit mit der sexuell übertragbaren Erkrankung.
  • Aufgrund von Antibiotika-Resistenzen dauern Erkrankungen länger und das Mortalitätsrisiko ist erhöht (z. B. bei Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)-Infektion um 64% erhöhte Mortalität).

Der stellvertretende WHO Direktor für Gesundheitssicherheit Dr. Fukuda warnt, dass die Welt ohne dringende und koordinierte Aktionen vieler Stakeholder in eine Nach-Antibiotika-Ära gerät, in der Infektionen und sogar geringe Verletzungen, die jahrzehntelang gut behandelt werden konnten, tödlich verlaufen können.
Es muss auf bessere Hygienemaßnahmen, Infektionskontrollen in Gesundheitseinrichtungen sowie auf ausreichende Impfungen geachtet werden. Nachwievor stellt der gezielte und korrekte Antibiotika-Einsatz durch die Ärzte einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung weiterer Resistenzbildungen dar: Die Verschreibung von Antibiotika sollte nur erfolgen, wenn tatsächlich unbedingt notwendig und genaue Untersuchungen zur Findung gezielter Wirkstoffe sollte dem Einsatz von Breitband-Antibiotika vorgezogen werden.

Quelle:
WHO’s first global report on antibiotic resistance reveals serious, worldwide threat to public health